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Zum Gedenken an die Toten – Mahnung an die Lebenden

Zum Gedenken an die Toten – Mahnung an die Lebenden
Zum Gedenken an die Toten – Mahnung an die Lebenden

– Der November steht traditionell unter dem Einfluss der sogenannten „Totengedenktage“. Der Volkstrauertag – seit 1925 als besonderer Gedenktag zwei Sonntage vor dem
1. Adventssonntag etabliert – ist einer von ihnen.

Aus gegebenem Anlass wurde die Gedenkfeier an die Gefallenen und Vermissten der beiden großen Weltkriege auf den Abend des 9. November 2019 vorverlegt.

In seiner Ansprache im Gottesdienst erinnerte Pfarrer Albert Keller an die besondere Bedeutung dieses Tages für Deutschland. Der 9. November - ein Schicksalstag der deutschen Geschichte - werde in der jüngeren Zeit zunächst als Gedenktag des Falls der Berlinger Mauer gefeiert. Dieses Ereignis jähre sich in diesem Jahr zum 30. Mal.

Doch nicht nur der Mauerfall sei eng mit diesem Datum verbunden. Bereits 1918 habe am 9. November die Ausrufung der Weimerer Republik stattgefunden, eine erste demokratische Bewegung, die bis 1929 anhielt. Heute gelte der 9. November auch als der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus (in Erinnerung an die November-Pogrome 1938). Leider könne man jedoch wieder Strömungen feststellen, die nicht am Frieden unter den Menschen und den Völkern interessiert seien. Im Gottesdienst standen besonders die Gebete für die Gefallenen, Vermissten und Hinterbliebenen aber auch der Dank für die Ereignisse im November 1989 im Vordergrund.

Dem Gottesdienst schloss sich die Gedenkfeier der Gemeinde an. Bürgermeisterin Cornelia Jex brachte sehr eindrucksvoll die Geschichte des Volkstrauertages in Erinnerung. 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen, fand die erste Gedenkstunde 1922 im Reichstag statt. Der Volkstrauertag als stiller Feiertag wurde erstmals am 1. März 1925 begangen.

Bürgermeisterin Jex erinnerte daran, dass der Volkstrauertag für so vieles stehe: für die Opfer von Krieg und Gewalt; für das Gedenken an die vielen Gefallenen, die viel zu jung ihr Leben gaben – ihr Leben noch nicht gelebt hätten. Der Volkstrauertag sei ein Tag zur Verpflichtung für den Frieden – ganz besonders mehr als 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seien nach 1945 14 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen, aus ihrer Heimat vertrieben worden. Auch sie seien Opfer des Krieges gewesen.

Sie gab zu bedenken, dass auch heute Soldatinnen und Soldaten der Bundesrepublik Deutschland im Einsatz in Kriegsgebieten seien. Sie agierten dort in humanitärer Mission. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass in diesen Ländern Krieg herrsche. Jex erinnerte in diesem Zusammenhang an die kriegerischen Konflikte im Kosovo, in Afghanistan, Mali und dem Sudan. 3.217 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten seien derzeit eingesetzt. Wie damals auch, blieben Familien zurück in Angst und Sorge um ihre Partner und Kinder.

Auch Bürgermeisterin Jex erinnerte an die besonderen Ereignisse des 9. November 1989. Sie erinnere sich noch gut an die Bilder, die sie damals über die Medien erreicht hätten. Es sei auch ein Tag der Erinnerung an die Tatsache, dass Menschen über sich hinausgewachsen seien. Sie hätten sich nach Freiheit gesehnt, nach einem Leben ohne Angst. Sie bedauerte, dass 30 Jahre nach dem Berliner Mauerfall wieder ein sehr deutlicher Rechtsruck zu spüren sei. Für diesen Kreis seien Demokratie und Friede ein Fremdwort. Sie bat die Zuhörerinnen und Zuhörer dafür zu sorgen, dass der Volkstrauertag nicht in Vergessenheit gerate und so der Frieden und die Freiheit erhalten bleibe.

Im Anschluss an die Gedenkfeier folgte die Kranzniederlegung am Denkmal neben der Kapelle in Mittelhofen, die von Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehr Elsoff-Mittelhofen und des Musikverein Elsoff-Mittelhofen umrahmt und von zahlreichen Gemeindemitgliedern begleitet wurde.

Text: Michaela Catta